Roboter als Kollegen –  wie aus einem „proANT 436“ ein „Fritzchen“ wird

Fritzchen, Robo, Jürgen, Sam und James – so heißen die neuen Kollegen in einer der Produktionsanlagen von VACOM. Ihre Namen erhielten sie von ihren Mitarbeitern, denn bei den fünf fleißigen Transporthelfern handelt es sich nicht um Menschen, sondern um proANT 436 Transportroboter von ASTI InSystems. Die Integration dieser Flotte ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Einführung von Robotern in ein menschliches Team positiv gelingen kann. Hier wurde die Roboterflotte sozial integriert, „menschlicher“ und daher liebenswerter gemacht.

Die proANT Flotte bei VACOM

Um mit dem Voranschreiten der Industrie 4.0 modern und innovativ zu bleiben, beauftragte VACOM ASTI InSystems mit der Installation eines intelligenten Transportsystems in ihrer neuen Anlage in Thüringen. Die von ASTI InSystems realisierte Transportlösung besteht aus einer Flotte von fünf proANT 436 und einem proANT 576. Diese Roboter transportieren nicht nur Montageteile, sondern kommunizieren auch mit dem Transportleitsystem, reagieren intelligent auf ihre Umgebung und tragen so zu einer komfortableren und sichereren Arbeitsumgebung für die menschlichen Mitarbeiter bei. Damit sind sie ein wichtiger Teil der Smart Factory – doch für das VACOM-Team steckt noch mehr in den Robotern als nur rein technische Funktionalität. Auf Facebook verkündet VACOM: „Unsere fünf Transportroboter sind für uns wie Mitarbeiter. Also verdienen sie natürlich auch Namen!“ Und nach einer internen Umfrage wurden die fünf proANT 436 kurzum auf Fritzchen, Robo, Jürgen, Sam und James getauft. Aber warum eigentlich?

Warum vermenschlichen wir Roboter?

Diese Tendenz hat wahrscheinlich seinen evolutionären Ursprung im Anthropomorphismus. Dieser Begriff steht für das Zuschreiben von menschlichen Charakteristiken zu nichtmenschlichen Lebewesen oder Gegenständen. Es ist etwas, das wir oft tun (besonders gut im Umgang z.B. mit Haustieren zu beobachten), und stammt vermutlich aus der frühen Menschheitsgeschichte. Die Theorie vieler Psychologen ist, dass für frühe Menschen Anthropomorphismus ein Überlebensvorteil war, der ihnen half, die Welt um sie herum besser zu verstehen. Denn wenn wir davon ausgehen, dass ein Interaktionspartner wie wir ist, dann haben wir einen klaren Rahmen, in dem wir ihn verstehen können. Wir sind Mensch, und wenn wir als Grundbasis annehmen, dass andere ebenfalls menschliche Attribute besitzen, können wir sie besser verstehen und damit effektiv (ver-)handeln. Im sozialen Umgang mit anderen Menschen war diese Strategie möglicherweise so effektiv, dass wir sie nun auf alles, das mit uns interagieren kann, als Standardreaktion übertragen. Nicht nur das – wir fühlen uns möglicherweise auch sicherer, wenn wir diesen Prozess anwenden können. Denn was wir intuitiv verstehen, macht weniger Angst.

Natürlich ist diese Annahme fehlerhaft. Ein Roboter ist kein Mensch, genauso wie auch unsere Haustiere keine Menschen sind. Anders als Hund oder Katze können wir unsere Roboter aber so menschlich nachvollziehbar wie möglich machen – je vertrauter sie uns sind, desto besser sollten wir sie, theoretisch zumindest, verstehen und somit in unseren Alltag integrieren können.

Roboter-Vermenschlichung in der Praxis

Wie nutzt dieses Wissen nun praktisch? In der Forschung und Entwicklung ist es wichtig, dies im Auge zu behalten, um zum Beispiel bestmögliche Benutzerfreundlichkeit zu erwirken. In der Industrie bietet es einen Zugang, neu installierte Roboter positiv den Kollegen vorzustellen. Immerhin sollen die neuen Maschinen als Helfer wahr- und angenommen werden, ansonsten wird der Roboter vermutlich nicht ideal integriert. VACOMs Ansatz ist perfekt: er erlaubt den Menschen, die Roboter mit Spaß kennenzulernen und in einem sozialen Rahmen nicht nur in den Produktfertigungsfluss, sondern auch in das Team-Verständnis aufzunehmen. Wir untersuchen dies in kommenden Beiträgen zum Thema soziale Integration von Robotern genauer und stellen dann ein paar praktische Tipps zur Förderung dieser Integration vor. Wir werden uns außerdem genauer ansehen, warum die VACOM-Flotte eigentlich nur mit männlichen Namen getauft wurde, warum so etwas häufiger vorkommt und welche Rolle Gender in der Robotik spielt.

Zusammengefasst: Wir können oft kaum anders, als Roboter zu vermenschlichen. Wird dies als Chance wahrgenommen und ein darauf basierendes positives Verständnis eines Roboters gefördert, lässt sich dazu beitragen, ein reibungsloses Zusammenarbeiten von Menschen und Robotern zu unterstützen.

Weiterführende Links

Unser Originalbericht zum VACOM-Auftrag:

https://www.asti-insystems.de/vacom-setzt-auf-proant-transportroboter/

Ausführlicher Anwendungsbericht:

https://proant.de/anwendung/proant-436-und-proant-576-in-der-metallfertigung/

proANT-Spezifikationen

https://proant.de/

Weiterführende Literatur zum Thema, und welche Komplikationen in der Vermenschlichung von Robotern zu beachten sind:

Anthropomorphism and the Social Robot (Brian R. Duffy, 2003): https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0921889002003743

Anthropomorphism in Human–Robot Co-evolution (Luisa Damiano, Paul Dumouchel, 2018): https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpsyg.2018.00468/full

Company from the Uncanny Valley: A Psychological Perspective on Social Robots, Anthropomorphism and the Introduction of Robots to Society (Janina Luise Samuel, 2019) https://repozytorium.amu.edu.pl/handle/10593/25192