Die Roboterin: Gender in Robotik und künstlicher Intelligenz

Die Roboterin: Gender in Robotik und künstlicher Intelligenz

Alexa und Cortana auf unseren Smartphones und Computern und Jürgen, Fritzchen und James aus unserer proANT 436-Reihe haben eines gemeinsam: Sie sind künstliche Helfer im Alltag und erhalten durch die Perspektive ihrer Hersteller und Nutzer menschliche Attribute. Die Gründe dafür sind in unserer letzten News (Roboter als Kollegen – wie aus einem „proANT 436“ ein „Fritzchen“ wird) nachzulesen. Dieser Artikel befasst sich nun mit den Unterschieden zwischen den proANTs und den Smartphone-Assistenten, fragt nach, warum unsere Roboter eigentlich vor allem männliche Namen erhalten und bietet einen Einblick in das Thema Gender in der Robotik und KI.

Stoische Transportroboter und freundliche Sprachassistenten

Jürgen arbeitet hart. Der Transportroboter ist pausenlos unterwegs und trägt Lasten von bis zu 50kg durch die Produktionshalle von VACOM, weicht Hindernissen und menschlichen Mitarbeitern aus, und ist dank innovativem Flottenleitsystem stets auf seine Aufgabe konzentriert – ein, von gelegentlichen Warntönen abgesehen, stiller und fokussierter Arbeiter.

Alexa ist das Gegenteil. Die künstliche Stimme hat keinen festen Körper, ihre Stärke liegt in ihrer Sprache, ihrer höflichen Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft. Sie hört zu und ist jederzeit dazu bereit, wie eine unsichtbare Sekretärin ihrem Besitzer auf Zuruf zur Hand zu gehen.

Sowohl Jürgen als auch Alexa sind in guter Gesellschaft. In Jürgens Flotte fahren außerdem James und Fritzchen. Neben Alexa finden sich andere Assistenten wie Cortana und Siri. Es zeigt sich ein Trend, in dem wir unseren künstlichen Helfern je nach Aufgabe männliche oder weibliche Attribute zuweisen. Diese Tendenz kann man durchaus als Klischee auslegen und auch kritisieren.

Natürlich gibt es Ausnahmen, so gibt es zum Beispiel Siri auch in männlicher Version. Die Tendenz zum Klischee bleibt dennoch deutlich, denn bei vielen unserer Kunden werden die hauptsächlich männlichen Namen sogar aufwändig nach Vorschlägen und Abstimmung der Mitarbeiter vergeben.

Stereotypen in Robotik und KI

In der Namensgebung machen sich Gender-Stereotypen bemerkbar. Schwer hebende Lastenroboter haben einen männlich dominierten Job, höflich-freundliche Assistenzstimmen einen stereotyp femininen. Die Vergebung von Namen und Stimmen ist oft diesen Stereotypen angepasst, weil diese Rollenverteilung vertraut erscheint. In der Theorie könnte diese Vertrautheit die Integration von Robotern und KI vereinfachen. In der Realität ist diese Vorgehensweise eine Fortsetzung von veralteten Rollenbildern, die problematisch sein kann. Forschungsergebnisse zeigen außerdem, dass das Roboter- und KI-Gendern kompliziert ist und nicht zwingend zu der gewünschten besseren Akzeptanz führt. Hinsichtlich der Performance macht das künstliche Gender keinen Unterschied.

Den jetzigen Ansatz zum Roboter Gendern kann man also ändern, und damit das Stereotypen-Problem umgehen. Das liegt vor allem in der Verantwortung von Herstellern und Entwicklern. Nicht hilfreich bei diesem Vorhaben ist der Mangel an Diversität in MINT-Berufen. Dieser macht sich auch praktisch bemerkbar, wenn zum Beispiel Sprachassistenten weibliche Stimmen schlechter erkennen oder Gesichtserkennungs-KI so richtig nur für weiße Männer funktioniert.

Lösungen für das Roboter-Genderproblem

Projekte wie die genderlose künstliche Stimme „Q“ eröffnen Möglichkeiten, Stereotypen ganz aus dem Weg zu gehen. Stärkeres Engagement für Diversität in STEM-Berufen kann ebenfalls helfen. Eine diversere Workforce bietet diversere Perspektiven auf Funktion und Design und kann dafür sorgen, dass Teststimmen und -gesichter unterschiedlicher sind. ASTI InSystems steht daher mit unserer Kampagne #ASTIwomen stolz hinter den Frauen in unseren Unternehmen, und ASTIs STEM TALENT GIRL-Programm fördert den Einstieg junger weiblicher Talente in das Unternehmen.

Zusammengefasst

Das Thema Gender in Robotik und KI ist überraschend komplex. Wir projizieren unsere gesellschaftlich verwurzelten Gender-Stereotypen auf Roboter und KIs, was Probleme aufwirft und eventuell gar nicht notwendig ist. In der Lösung dieser Probleme spielt Diversität in Design- und Entwicklungsrollen in MINT-Berufen eine wichtige Rolle. Bei ASTI InSystems unterstützen wir Diversität und freuen uns über diverse Bewerbungen, damit unsere Arbeit nicht nur innovativ, sondern auch inklusiv ist und bleibt.

Weiterführende Links

Wissenschaftliche Arbeiten zum Thema

ASTI STEM TALENT GIRL: https://astifoundation.com/2020/09/14/asi-es-el-nuevo-programa-de-stem-talent-girl-online/

Stellenausschreibungen InSystems: https://www.asti-insystems.de/karriere/stellenangebote/

Artikel zur Vermenschlichung von Robotern